16.06.2009 Update
Alles was irgendwann und irgendwo über meine Bäume oder mich im Zusammenhang mit Diesen veröffentlicht wird, finden sie in Zukunft unter der neu geschaffenen Kategorie presse.

15.06.2009 Update
Ein bewegendes und schönes Wochenende liegt mit der JHV des BCD in Erfurt hinter uns. Als Mitglied des organisierenden Regionalverbandes gab es auch ein wenig Schweiß aber der war alle Mühe Wert.
Lesen und sehen sie den Bericht darüber unter events.

mit Gold ausgezeichnetes Weißdorn-Shohin-Floss von Manfred van Eick auf der BCD-Bundesausstellung in Erfurt
01.06.2009 Pfingstfreuden
Seit einer Woche gibt es nun den ersehnten Regen nach ca. acht Wochen totaler Dürre. Die Pflanzenwelt und auch meine Bonsais reagieren darauf mit einer Frische, die einen stark verleitet, schon mit dem Gestalten zu beginnen auch wenn man gut und gerne noch zwei bis drei Wochen warten könnte aber mit ein wenig Vorsicht beim Neuaustrieb lassen sich erste Versuche durchaus starten. Die freien Pfingsttage tragen ihr übriges dazu bei und so möchte ich hier heute die ersten Projekte für dieses Jahr vorstellen.
Als erstes zeige ich eine zugegeben kontroverse, für mich aber dennoch hoch emotionale Gestaltung. Die Pflanze stammt aus einem gesammelten Mehrfachstamm, bei welchem sich herausstellte, dass dieser Baum ein Einzelstück ist und mit den anderen keinerlei Verbindung hatte, lediglich sehr nah an ihrem Stamm aufwuchs. Er wurde daraufhin beim Umpflanzen getrennt und steht seitdem allein herum. Man kann nun trefflich über den realistischen Gehalt dieses Baumes streiten, für mich war es einfach erst mal nur ein Anfang. Wohin sich das ganze entwickelt wird die Zeit zeigen. Bonsai ist ja eine Kunst, die auf Zeit angelegt ist, da sollte man den Moment nicht überbewerten. Horst Krekeler, ein deutscher Bonsaipionier und einer meiner geistigen Ziehväter in Sachen Bonsai sagte mal: "Bonsai kann man nicht arbeiten, Bonsai muss man spielen, sonst wird nichts draus."

Bonsaispielerei
Das zweite Projekt zeigt einen Baum, der schon mindestens seit 2006 oder länger bei mir herumsteht. Er hatte einen entscheidenden Makel. Der Stamm hatte im oberen Bereich einen rechten Winkel. Da auf der Rückseite zudem noch eine große Narbe von einem abgetrennten starken Ast vorhanden ist, mußte hier mit einiger Vorsicht herangegangen werden, um den Saftfluß nicht für immer zu unterbinden. Verschiedene Versuche, bereits im letzten Jahr, dieses Handicap zu beseitigen, schlugen Fehl. In diesem Jahr brachten die Gurtbänder in Verbindung mit der Holzschiene den gewünschten Erfolg und beseitigten den Winkel auf kürzister Distanz. Beim Freilegen des Nebaris kam eine wunderschöne Krümmung im unteren Bereich zu Tage, welche letztendlich für Ansichtsseite und geneigte Position verantwortlich zeichnet. Auch hier ist ein Anfang zum Bonsai gemacht. Ob am Ende beide unteren Äste bleiben, die Neigung korrigiert oder das Kronenvolumen reduziert wird, entscheidet die Zukunft bzw. die Entwicklung, welche der Baum auf diesem Wege nimmt.

Grundgestaltung einer Kiefer, 60cm
Der dritte im Bunde liegt mir schon ein wenig mehr am Herzen. Mit 75cm Höhe und einem Stammansatz von 13cm Durchmesser ein Material, was nicht beliebig austauschbar ist und einem auch nicht jeden Tag über den Weg läuft. Als ich diesen Baum im Jahr 2007 sammelte war das gesammte Grün noch viel höher angesetzt. Ich vertraute damals auf einen relativ unscheinbaren kleinen Seitenast im unteren Bereich, welchen ich unmittelbar nach erfolgreichem Anwachsen im Topf, mit der Spitze nach oben gebunden habe. das führte datzu, dass sich dieser Zweig in nur zwei Jahren zu einem stattlichen Ast entwickelte, der nun allein für den Neuaufbau dieser Kiefer zum Bonsai ausreichte. Ziel in den nächsten Jahren wird es sein, die Rückknospung zu fördern und mit dem zusätzlichen Grün die Krone im oberen Bereich ein wenig runder zu gestalten um ihr ein reiferes Aussehen zu verleihen. Bis dahin ist genügend Zeit die Jins zu verfeinern und hier und da schon mal nach einer geeigneten Schale ausschau zu halten.

Grundgestaltung einer Kiefer, 75cm
25.05.2009 Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin....
...so skandieren zur Zeit die Fußballfans vom SV Werder Bremen und von Bayer04 Leverkusen allerorten und bejubeln damit ihren Manschaften, die es am kommenden Samstag zum DFB-Pokalfinale nach Berlin geschafft haben. Bonsaifans fahren in diesem Jahr zwei Wochen später, vom 13.- 14. Juni 2009 nach Erfurt zum großen Finale, der Bundesversammlung des Bonsai- Club- Deutschland e.V., welche nun endlich, nach 20 Jahren Mauerfall, zum ersten Mal diesseits der Elbe stattfindet. Es geschehen also doch noch Zeichen und Wunder, wer hätte das gedacht. Heute kamen die Bestätigungen oder Ablehnungen für die gemeldeten Bonsai. Selber werde ich mit drei Bäumen dabei sein, wovon zwei zu einem Shohin-Display gehören, welches wir als Arbeitskreis Ostsachsen- Südbrandenburg stellen werden. Da ich nun hier noch nichts vorwegnehmen möchte zeige ich hier nicht die Bäume welche angenommen wurden sondern den Bonsai, der abgelehnt wurde. Es ist mein Shootingstar aus dem Jahr 2008. Warum er nicht die Chance bekam in Erfurt zu stehen, darüber läßt sich nur mutmaßen. Dann bleibt er eben und wird hier ausgestellt.

Kiefern-Bonsai, Pinus sylvestris, für Erfurt nicht ausreichend
Die Freude auf die Tage in Erfurt ist dennoch riesengroß. Wird es doch wieder ein Treffen von vielen Gleichgesinnten und ein gewinnbringender Austausch mit Freunden die man viel zu selten sieht. Jeder, der es irgendwie einrichten kann dort hinzukommen, sollte das tun, für Bonsaifreunde auf jeden Fall lohnend.
19.05.2009 Update
Nun wird es aber Zeit, am Wochenende waren wir in Zschopau zur regionalen Bonsaiausstellung unserer sächsischen Bonsaifreunde. Was es dort zu sehen gab lesen und sehen sie in meinem Bericht unter events.

Gartenazalee auf der Bonsaiausstellung Schloß Wildeck
08.05.2009 Simultan-Bonsai (2)
Vor etwa 2 Monaten berichtete ich hier darüber, Bonsai simultan zu Gestalten. Als Beispiel diente eine kleine Kiefer. Heute war es wieder mal soweit und auf meiner täglichen Runde fiel sie mir in die Hände. "Da will es aber jemand wissen" dachte ich so bei mir, als ich den zahlreichen und frischen Austrieb an dem kleinen Kerl entdeckte. Da dieser neue Austrieb noch nicht ausgereift ist, läßt sich eine detailierte und umfassende Gestaltung noch nicht praktizieren aber mit ein paar Spanndrähten in wenigen Minuten angebracht, läßt sich schon erahnen, wo einmal das Ziel für ihn als Bonsai liegen könnte.

angehender Kiefern-Shohin, 16cm
07.05.2009 Update
Das Frühjahr hat manche Veränderung mitgebracht. Einige Bonsais bekamen, wie auch schon erwähnt, neue Schalen, die ersten Fotos davon sind jetzt online und einige Bonsai-Gestaltungen sind neu hinzugekommen. Stöbern Sie einfach mal wieder in den Gestaltungen.

Neuzugang bei den Gestaltungen, jetzt online
27.04.2009 Freud und Leid
Die Natur ist nach 4 Wochen anhaltendem Sonnenschein und für den April völlig überdurchschnittlichen Temperaturen kaum noch zu halten. Die Bonsais drängen mit aller Macht nach Wachstum. Man möchte gar nicht mehr aus dem Garten weichen, soviel Freude macht es einem zu sehen, was da alles heranwächst und sich entwickelt. Im letzten Jahr zeigte ich hier die Rückknospung an einer Pinus sylvestris. Nun zeigt sich dieser Austrieb in üppigster Weise. Da hat man beim Pflegen wohl nicht viel verkehrt gemacht.

fast jedes Nadelpaar bringt einen Trieb

Austrieb satt

faszinierende Schöpfung im Detail
Wie jedoch in allen Bereichen des Lebens, liegt auch bei Bonsai Freud und Leid dicht beieinander. Diese Seite soll ja den Umgang mit Bonsai in seiner ganzen Breite beschreiben und da gehören Rückschläge dazu. Diese möchte ich nicht verschweigen, weil es einfach unaufrichtig wäre.
Diesmal hat es meinen Kleinsten erwischt. Ein Wacholder-Shohin von nur 9cm Größe. Er hat wahrscheinlich den Winter nicht überstanden und brachte in diesem Jahr keinen Austrieb. Gerade die Kleinsten haben es bei Extrem-Wetterlagen oft nicht leicht, da sie, bedingt durch die sehr kleinen Schalen, den Schwankungen am stärksten ausgesetzt sind. Schade, uns verband nur eine kurze aber intensive Zeit. Andere Bonsaifreunde wiesen mich schon darauf hin, dass diese Sorte ab dem zweiten Jahr häufig Probleme bereitet. Ich kenne allerdings auch in unserem Arbeitskreis einen Bonsai dieser Art, der schon viele Jahre mitspielt. Dieser tut es nicht mehr, schade.
Juniperus horizontalis ohne Austrieb
20.04.2009
Es ist kaum zu glauben aber das Wetter meint es in diesem Jahr unglaublich gut mit uns. Da kann man seinen Bäumen fast zuhören beim Wachsen. Nur der Blick in die Wassertonne macht ein wenig Sorgen, denn bei uns hat es, bis auf ein paar homöopathische Mengen, kaum geregnet in den letzten 3 Wochen. Dafür hilft die intensive Sonne und die milden Temperaturen so mancher Kiefer über den Stress des Umtopfens.
Fast täglich draußen, gibt es nun immer was zu tun. Auch wenn das umfassende Gestalten noch ein wenig Zeit hat, können schon Spanngurte angelegt, Zwingen angesetzt und Drähte verzurrt werden, um die eine oder andere Korrektur durchzuführen. So geschehen in diesen Tagen bei einem meiner Kiefern-Literaten. Diesen habe ich seit 2 Jahren in der Gestaltung und ich möchte seine Biegungen noch etwas dramatisieren. Dazu eignet sich die Bonsai-Zwinge ganz hervorragend, da mit ihr, anders als mit Draht, diese Richtungsänderungen auf relativ kurzen Abschnitten erfolgen können. Um dem Baum dabei nicht zuviel zuzumuten, wird nur eine Zwinge angebracht und erst nach der Stabilisierung durch Zuwachs wird diese weiter oben eingesetzt.

Kiefern-Literat in Arbeit
Ein ganz besonderer Rohling hat in diesem Jahr seinen Weg in die erste Schale gefunden. Ich habe ihn im Jahr 2005 ausgegraben. Mit seinen knapp 60cm Höhe, 8cm Stammdurchmesser und seiner außergewöhnlichen Bewegung gehört er eindeutig zu den vielversprechenderen Kandidaten, welche noch auf ihre Gestaltung warten. An ihm habe ich im Grunde gelernt, wie ein guter Rohling auf seine Gestaltung vorbereitet wird. Ein Jahr nach dem Ausgraben hatte sich diese Kiefer sehr gut rehabilitiert und so nahm ich sie zu einem Treffen von Bonsaifreunden mit, in der Hoffnung, ihn dort gestalten zu können. Der erfahrene Bonsaikünstler Vaclav Novak aus Tschechien war damals auch dort anwesend und mit ihm sprach ich über diesen Baum und fragte ihn, was er daraus machen würde. Er Antwortetet mit einer Schere und schnitt mir im August den Baum soweit runter, daß kaum noch etwas zum Gestalten dran war. Dann gab er mir noch mit auf den Weg, dieses Programm in änlicher Weise in den nächsten Jahren durchzuführen. Ehrlich gesagt, war ich seinerzeit schon ein wenig enttäuscht doch heute zeigt sich wie so oft, warten lohnt und wenn dieses Warten von den richtigen Maßnahmen begleitet wird, ist es der Garant für eine gelingende Bonsai-Gestaltung.
Bei ihm gibt es nur ein Luxusproblem, welche wird die Vordersite?

Rohling, Pinus sylvestris 2005

Rohling, Pinus sylvestris 2005

Rohling, Pinus sylvestris 2009

Rohling, Pinus sylvestris 2009
"Der Wasserfall" hat seine neue Schale bekommen. Schon im letzten Jahr zeigte ich hier die Maßanfertigung der Schalenkünstlerin Petra Louen-Schenk für diesen Bonsai. Nun hat er sein neues zu Hause bezogen und fühlt sich darin sichtlich wohl. Durch das leichte Aufrichten und das Zurücksetzen in der Schale bekam ich die Ansichtsseite nicht mehr direkt über die Ecke der Schale. Zu viele Wurzeln hätte ich dabei eliminieren müssen, dieses Risiko war mir noch zu hoch. Es wird die Aufgabe in den nächsten Jahren sein, das Schritt für Schritt zu korrigieren. Trotzdem bin ich schon mal mit dem bisherigen Ergebnis hoch zufrieden. Die Schale ist perfekt für diese außergewöhnliche Bonsai-Gestaltung. Vielen Dank Petra!

in neuer Schale April 2009
15.04.2009
Ein halber Monat ist vergangen seit ich die ersten Bonsais in diesem Jahr umgetopft habe, das Wetter hat gehalten, was der Wetterbericht prognostizierte und meine Pflanzen haben das dankbar angenommen. Die ersten Kiefern zeigen ganz deutlich, dass sie die Roßkur überstanden haben und schieben kräftig ihre Kerzen.
Da ich meine Bäume nach dem Sammeln grundsätzlich im mitgebrachten Ballen belasse und so wie sie ankommen in Töpfe setze, ist gerade das erste Umtopfen, nach einigen Jahren der Ruhe, sehr brisant. Da wird restlos alles an alter Erde entfernt und dann wird sichtbar, was an Wurzeln da ist und wie die Zukunft aussieht. Das stand auch für meinen Logobaum an. So wie er bisher oben auf der HP zu sehen war gab es ihn nämlich bis jetzt noch nicht. Es gab sowohl den Baum, gestaltet von Pjotr Pjotr Czerniachowski(PL) auf der Jubiläumsschau "100 Jahre Bonsai Deutschland" 2007 in Dresden/Pillnitz und es gab die Schale, welche ich im vergangenen Jahr bei Vaclav Novak(CZ) erworben habe. Gefertigt wurde sie vom bekannten Tschechischen Keramikstudio Klika. Aus beiden fertigte ich während der Entstehung meiner HP im letzten Jahr dieses Virtual. Dabei wurde der Baum auch nochmals gespiegelt um sich in das Layout zu fügen.
Nun sollte aus dieser Vision Wirklichkeit werden. Ist der Wurzelballen kompakt genug? Paßt alles in die deutlich kleinere Schale hinein? Ist der Baum fit genug um das zu überstehen...? Heute gibt es zu diesen Fragen die ersten Antworten. Der Baum steht in der Schale, auch wenn einige Oberfächenwurzeln in nächster Zeit noch verschwinden müssen. Der Baum hat alles bestens überstanden und die Wirklichkeit kommt der Vision unglaublich nahe.
Die ganze Geschichte dieses Baumes finden sie unter den Gestaltungen.

Pinus sylvestris, 100cm
Ein weiterer Bonsai über den ich mich sehr freue, ist die Kiefernstudie über welche ich in meinen Gestaltungen bereits berichtete. Sie erhielt die erstklassige Schale von Mark Berenbrinker, welche ich im vergangenen Herbst bekam und hier auch zeigte. Sie passt perfekt zu diesem Baum und hat dieses noch junge Projekt unglaublich voran gebracht.

Pinus sylvestris, 38cm
08.04.2009 Frohe Ostern
Noch ist es nicht ganz so weit aber pünktlich zum Osterfest hat meine Zwergkurile ihre wunderschönen Blüten entfaltet. Na wenn das mal nicht den Osterhasen anlocken wird.

01.04.2009 Jetzt geht`s los, jetzt geht`s los...
Auf diese Tage habe ich gewartet, seit gestern zeigt das Thermometer über 12°C im Schatten an und das soll in den nächsten 2-3 Wochen so bleiben. Der ideale Zeitpunkt für das Umtopfen der Bäume und das Holen neuer Rohlinge, welche man schon lange irgendwo erspäht hat. Gestern war ich den ganzen Tag mit dem Umtopfen von über 20 Bäumen aller Größen, meist Kiefern, beschäftigt. Die Kiefer braucht zum Überstehen dieses Eingriffs, der für sie immer wieder einen schweren und kritischen Moment darstellt, vor allem drei Dinge und das sind Sonne, Sonne und nochmals Sonne. Während ich in früheren Jahren eher die Zeit Ende April, Anfang Mai zum Umtopfen nutzte, wenn die Kiefern bereits ihre Kerzen schoben, habe ich in den letzten Jahren diesen Zeitpunkt immer weiter vorverlegt und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. In den letzten Jahren hatte ich auf diese Weise praktisch keine Ausfälle mehr.
Nun heist es warten und sehen wie sie das alles überstanden haben

umgetopfter Kiefernshohin, 8cm
Was für das Umtopfen richtig ist, gilt selbstverständlich auch für Bäume, die noch gesammelt werden sollen. Nachdem wir schon am Samstag mit dem AK unterwegs waren und Kiefern und Eichen sammelten, standen heute nochmals Kiefern auf meinem ganz persönlichen Programm. Nicht ganz soviele wie in anderen Jahren aber das eine oder andere exzellente Stück war schon dabei, welches bistimmt auch irgendwann einmal hier zu sehen sein wird. Bis dahin heist es auch hier, abwarten und hoffen das alle die Prozedur gut überstehen.

Blick auf einen Teil der gesammelten Kiefern
02.03.2009 Simultan-Bonsai
Kennen Sie Simultanschach? Ein erfahrener Schachspieler spielt nicht gegen einen, zwei oder drei Gegner sondern er stellt sich gleich mal einem halben oder ganzen Dutzend Schachfreunden zum Kampf. Dabei geht er von Spieltisch zu Spieltisch und macht seinen Zug. Während er seine Runde macht sind die Gegner am Zug.
Ähnlich sieht der Alltag im Bonsaigarten aus. Die meiste Zeit verbringt man mit ganz profanen Dingen wie gießen, Unkraut jäten oder anderen Pflegemaßnahmen. Nur an den wenigsten Tagen im Jahr stehen spektakuläre Gestaltungen an. An vielen Tagen jedoch geht man ähnlich einem Simultanschachspieler, von Topf zu Topf oder Schale zu Schale und schaut sich seine Freunde immer wieder genau an, bis es dann manchmal hier oder da klick macht.
Für diesen Fall habe ich immer Schere und Zange einstecken und mache dann auf der Stelle "meinen Zug". Das heißt, ich schneide hier einen oder mehrere Äste weg, binde dort eine Spitze nach oben oder lege ein erstaunliches Nebari frei. Auf diese Weise wird ein Bonsai langsam ans Ziel geführt. Es bleibt ihm der Stress erspart, alles auf einmal über sich ergehen zu lassen, wie es oft bei großen Gestaltungen oder Gestaltern der Fall ist.
Heute nun war so ein Tag an dem ich Simultan-Bonsai in meinem Garten praktizierte. Ein Beispiel soll es hier zu sehen geben.
Im ersten Jahr des Sammelns meiner Kiefern mache ich außer dem regelmäßigen Gießen eigentlich nichts weiter. Auf das Zurückschneiden, wie z.B. bei den Laubgehölzen, verzichte ich dabei ganz bewußt. Die Kiefer braucht soviel Grün wie möglich um nach der Entnahme aus der Natur am neuen Standort so schnell wie möglich neue Wurzeln zu machen. Sollte der Baum trotzdem einmal zu groß sein wird das Grün am Standort entfernt und erst ein Jahr später ausgegraben.
Diese Kiefer war ein Mitbringsel von einer meiner Touren im Jahr 2008. Ihrer Nadelfarbe sieht man noch heute an, dass sie auf sehr kargem Boden stand. Sie konnte mit der bloßen Hand entnommen werden. Demzufolge überstand sie auch die Umgewöhnung an ihren neuen Standort ausgezeichnet.

Gesammlete Kiefer aus dem Jahr 2008

Gegenüberliegende Seite
Ich hatte diesen Baum im vergangenen Jahr sehr oft in der Hand. Lange war mir nicht klar, wohin der Weg mit ihm gehen soll. Interessant an diesem Baum ist die geringe Größe, ein relativ gutes Nebari und eine schon erstaunliche Rindenstruktur. Das Rohmaterial hatte eine Höhe von ca. 30 cm. Es war klar, dass dieser Baum sicher einmal ganz klar die Shohin-Kategorie anstreben wird.
Und dann irgendwann ist es, wie so oft, man schaut wieder einmal auf die Pflanze und mit einem mal bleibt man an einer Linie hängen, entdeckt ein Thema oder erkennt ganz deutlich das Potential. Für mich ist es von da an oft sehr schwer auch nur noch irgendeine andere Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, zu sehr nimmt mich meine Idee gefangen.
Jetzt vor dem Austrieb ist der richtige Moment gekommen, diesen Ideen auf die Sprünge zu helfen. Wenn nun die Äste entfernt werden, von denen man genau weiß, dass sie nicht mehr gebraucht werden, kann die Pflanze alle Kraft in die verbleibenden Bereiche investieren.
Ohne nun gleich die Gestaltung bis zum Ende fortzusetzen, erkennt das geschulte Auge eigentlich schon, wohin die Reise einmal gehen soll.
Nun bekommt unsere Pflanze wenigstens ein oder auch zwei Jahre Zeit, um sich zu regenerieren, ein Gleichgewicht zwischen Krone und Wurzeln herzustellen und irgendwann wird es auch mit ihr weitergehen.

Erste Konturen, 18cm
28.02.2009
...der Winter hat verloren, der Sommer hat gewonnen...naja, noch nicht ganz und auch noch nicht ganz Sommer aber das Thema Winter sollte für dieses Jahr gegessen sein. Es kribbelt nicht nur in den Fingern sondern auch den Pflanzen sieht man aller Orten an, dass sie nun bald losmachen wollen.
Da liegt es nahe sich unter seinen Pflanzen umzuschauen um nach potentiell gestaltungswilligem Material Ausschau zu halten. Auch wenn ich selbst von Wintergestaltungen bzw. Gestaltungen vor dem Austrieb nicht viel halte, so konnte ich doch heute nicht mehr an mir halten und ganz schuldlos war die Pflanze dabei auch nicht.

Kiefer vor der Gestaltung
Es ist unglaublich, wenn ich daran denke, dass diese Kiefer noch vor einem Jahr in der freien Natur stand. Im April 2008 gesammelt, zeigt dieser Baum schon heute eine derartige Vitalität, dass man meinen könnte, er steht schon seit Jahren in seinem jetzigen Pflanzcontainer. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Zustand zu einem großen Teil auf das Pflanzsubstrat zurückzuführen ist, welches ich in den letzten zwei Jahren einsetze.
Der Beweis für den guten und gesunden Zustand liefert ein Blick auf die Wurzeln.

Wurzelballen mit Mykorrhiza im Februar
Die, besonders für Kiefern, so unverzichtbaren Mykorrhizapilze sind hier bereits so reichlich vorhanden und das obwohl die Töpfe und Schalen noch bis vor wenigen Tagen völlig durchgefroren waren und viele zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht ganz eisfrei sind.
Zwei Dinge fallen mir nun bei dem vor mir stehenden Baum besonders auf. Zum einen die sehr schöne Bewegung in dem sonst so unspäktakulären Material und ein, für gesammelte Kiefern, überdurchschnittlich gutes Nebari. Unter Berücksichtigung dieser zwei Aspekte ist schnell die Vorderseite gefunden und Dank des reichlich zur Verfügung
stehenden Grüns auch eine Krone gestaltet, die zu diesem Baum passt.

Kiefer nach der Gestaltung, 45 cm
Im Ganzen ist ein sehr braver und harmonischer Baum auf den Weg gebracht worden. Die sanften Schwünge der Stammlinie partizipieren von dem gleichmäßigen und eher undramatischen Kronenaufbau.
Im kommenden Sommer werde ich den gesammten Neuaustrieb des Jahres entfernen und somit eine reiche Knospenbildung im Inneren des Baumes anregen. Dieser wird im Jahr 2010 zum Austrieb kommen und danach kann das Kronenvolumen noch einmal drastisch zurückgenommen werden. Bis jetzt ist die Krone im Verhältnis zum Stamm optisch noch zu schwer.
17.02.2009
In diesem Jahr werden Bonsaifreunde in unseren Breiten schwer geprüft. Wer im Jannuar nach der unglaublichen Kälte meinte, alles überstanden zu haben, wird in diesen Tagen Lügen gestraft. Heute Nacht fielen erneut ca. 20 cm Neuschnee und für die kommenden Nächte sind wieder Temperaturen im zweistelligen Minusbereich angesagt. So schön der Anblick auch sein mag, richtig genießen kan man ihn nicht, spätestens dann nicht, wenn man an seine Bäume denkt. Aber irgendwann wird der Spuk ein Ende haben, bis dahin jedoch heißt es weiter warten.




30.01.2009
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche....na ja noch nicht ganz aber zumindestens die extremen Temperaturen von über -20° haben wir hinter uns und der Schnee ist auch so gut wie völlig verschwunden. Was
bietet sich da mehr an als ein Spaziergang. Dabei ist es für mich immer wieder erstaunlich was es dabei so zu entdecken gibt, obwohl man doch immer glaubt die eigene Region schon recht gut zu kennen. Gestern war ich also mit meinem Dackel Daja auf einer solchen Tour nur wenige Minuten von meinem Haus entfernt und wollte nicht glauben was ich da fand. Markante Eichen wie ich sie in so unmittelbarer Nähe nicht vermutete. Aber auch Kiefern und Birken wo es sich bestimmt lohnt diese im bevorstehenden Frühjahr nochmals etwas genauer zu betrachten.

Kiefer mit interessanter Stammlinie

Eiche als Floß 40cm

kapitale Eiche

markantes Eichen-Nebari

Eiche mit Bewegung

Stamm-Detail

Eiche mit teilweise hohlem Stamm

Detail