Waldkiefer, Föhre, 62cm
Im Mai 2006 machte ich mich über diese sehr eigentümliche Kiefer her, welche ich 2 Jahre zuvor ausgegraben hatte..
Die "Öffentlichkeit" riet mir zu diesem Baum alles Mögliche nur so lassen sollte ich ihn auf keinen Fall. Mir ging es bei der Gestaltung darum, den Vorgaben des Materials weitgehend zu folgen und sowohl dem Vater als auch dem Sohn eine Chance zu geben. Ein stückweit spiegelt die Gestaltung für mich Teile unserer gesellschaftlichen Situation in vielen Familien wieder, wie Vater und Sohn ganz nah beieinander und doch auf Distance, entzweit, driften auseinander. Werden sie zusammenfinden?

Die Ratschläge gingen sogar soweit, den Vater ableben zu lassen und nur mit dem Sohn weiterzuarbeiten. Schlimm genug, dass in unserer Gesellschaft die Alten aufs Abstellgleis kommen. In meinem Bonsaigarten gibt es sowas nicht. es wäre mir zu einfach gewesen.

Da bei der Gestaltung in 2006 sehr viel Grün des Baumes entfernt wurde zeigte er im Jahr darauf einen enormen Zuwachs. Das war zum einen gut zu gebrauchen, denn den einen oder anderen Trieb brauchten wir schon noch. Zum anderen bedeutet das, dass der Draht unglaublich schnell einwächst. Hier präsentiert sich nun der Baum in seiner ersten, wenn auch provisorischen Schale, im Frühjahr 2007. Der Draht wurde bereits entfernt und daher wirkt alles etwas strubbelig.
Auch dieses Bild nun ein Jahr später bewirkte in der Öffentlichkeit noch immer müdes Lächeln und allenfalls Mitleid.

Noch im selben Jahr, nach dem Ausreifen des Neuaustriebes, drahtete ich den Baum erneut komplett durch. Hatten wir noch vor einem Jahr viel zu wenig Grün mußte nun schon etwa ein Drittel davon entfernt werden um überhaupt ein wenig Struktur in den Baum zu bekommen. Nun, wo die Krone stärker linkslastig wird erkennt man, dass in Zukunft eine stärkere Neigung des Baumes nach rechts von Vorteil wäre.

Frühjahr 2008, nach dem Neuaustrieb. Die Gestaltung wird immer vollkommener. Der Hauptast des Vaters steht nun schon schützend über dem Sohn. Auch der kleine hat ordentlich zugelegt und muß demnächst ausgelichtet werden. Die zukünftige Stellung in der Schale, welche zudem noch deutlich flacher werden soll, wurde schon mal simuliert.

Das Frühjahr 2009 mit seinem hervorragenden Wetter gab die optimale Gelegenheit den Baum nocheinmal umzutopfen. Durch den stärkeren Neigungswinkel passten die Wurzeln zwar noch nicht in die Traumschale, welche auf ihn wartet aber auch diese hier macht schon einen recht ordentlichen Eindruck und der rötliche Ton passt ausgezeichnet zu den schillernden Rottönen in der Borke des Baumes.

April 2009
Die Aktion den Umtopfens hat der Baum so gut weggesteckt, dass ich noch im selben Jahr mit der Verfeinerung beginnen kann. Bisher wurde der Baum hinsichtlich seines Grundkonzeptes gefördert. Es brauchte Zuwachs an allen Ecken und Enden. Die Spitze, der Hauptast, die Stärkung aller Äste überhaupt standen da in Vordergrund. Diese Phase kann, bis auf unwesentliche Kleinigkeiten, nun als abgeschlossen betrachtet werden. Jetzt geht es an die Verfeinerung. Nadelpolster bilden und filigranere Ast- und Zweigstrukturen erarbeiten stehen dabei zukünftig im Vordergrund. Nachdem ich bereits die alten Nadeln vor ca.3 Wochen geschnitten habe, wurde der Baum nun nochmals komplett durchgedrahtet und alle Details ausgerichtet. Damit der Baum den "Doppelschlag" in diesem Jahr leichter verkraftet wurde dabei ein wenig mehr Grün am Baum belassen als in Zukunft wirklich nötig ist.

Juli 2009